Sie sind Freiwillige – holt sie da raus!!!

Obwohl es in Bolivien mit zu diesem Zeitpunkt 12 Corona-Fällen vergleichsweise wenig Fälle gab, hat das BMZ am Montag entschieden ALLE weltwärts-Freiwilligen auf der ganzen Welt zurück nach Deutschland zu holen, ein Land mit über 1000-mal so vielen Fällen, wie wir sie hier haben.

Ich glaube ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass diese Nachricht uns den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Natürlich war die Möglichkeit in den letzten Tagen mal angesprochen worden, ich meine, weltweit malt sich wahrscheinlich gerade jeder sämtlich Weltuntergangsszenarien aus… Aber uns zurückholen? Das war ja eher so ein „vom-leichten-Nieselregen-in-den-Pool-springen“.

Bestimmt eine Stunde lang habe ich einfach nur da gestanden oder bin hektisch von links nach rechts gelaufen. Es kam mir unwirklich vor. Ich schaute wieder und wieder in meine Mails, aber die Nachricht blieb da, ich hatte sie mir nicht eingebildet. Meine Gedanken rasten, aber irgendwie war mein Kopf auch leer. Völlige Überforderung, Verwirrung und die Hoffnung, dass das alles nur ein schlechter Traum sei. Doch auch nach einer schlaflosen Nacht stand da immernoch dieser Satz auf meinem Display:

Daher bitten wir eindringlich darum, für eine baldige Rückreise der Freiwilligen nach Deutschland Sorge zu tragen.

-BMZ an die Entsenderorganisationen

Erst nehmen sie mir die Arbeit weg und jetzt auch noch mein Zuhause… Wobei, bisher haben wir keinerlei Informationen, wie lang wir hier noch bleiben, wie wir zurückgeholt werden und was danach passiert.

Immerhin sind in Bolivien seit einigen Tagen alle Grenzen geschlossen, kein Flugzeug verlässt das Land und seit gestern dürfen wir gar nicht mehr vor die Tür. Für die nächsten 14 Tage soll es Zeiten geben, um einkaufen zu gehen, wer außerhalb dieser Zeiten draußen erwischt wird und nicht „systemrelevant“ oder auf dem Weg zum Arzt ist, wird für acht Stunden eingesperrt.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen, vermute ich… Andererseits: Die Ankündigung der Ausgangssperre hat ausgelöst, dass JEDER nochmal einkaufen musste, weil, wer hat schon Lebensmittel für 14 Tage zuhause??? So mussten auch wir uns nochmal eindecken, und was wir auf dem Markt erlebt haben, war gruselig. Überall drängten sich die Menschen, nicht unbedingt förderlich um einen Virus zu stoppen. Ich bin für gewöhlich nicht klaustrophobisch und habe auch kein Problem mit Gedränge, aber auf dem Markt habe ich mich doch sehr unwohl gefühlt.

Dazu kamen die Blicke. Wie mir bereits schon eine Woche zuvor von einem Busfahrer erklärt worden war, dass er nicht mehr mit Europäern fährt und „nur wegen [uns] Reichen“ Bolivien und die Welt nun vor der Krise steht, weil wir es einfach nicht lassen können zu reisen. Ich hatte das Gefühl von jedem hasserfüllt oder ängstlich angeschaut zu werden und obwohl wir viel zu viel zu Hause sitzen war es schön, wieder dort zurück zu sein.

Jetzt haben wir also nur unsere Wohnung, wie bereits im November während der politischen Aufstände sitzen wir zuhause fest und haben nichts zu tun. Nur das Auswärtige Amt beschäftigt uns fleißig mit Registrierungen. Heute haben wir uns zum 6. Mal für das Rückholprogramm angemeldet, vielleicht wissen sie jetzt, dass wir hier sind…

Wir hören von Freiwilligen anderer Länder, über ihre Rückföugdaten, wie sie in Deutschland angekommen sind, wo sie statt ihrem Einsatzland jetzt festsitzen. Und wir? Wir sitzen hier und warten und warten und warten… Aber in Deutschland würden wir auch nichts anderes tun können.

Ich denke, alle haben es gerade schwer und müssen ihre Opfer bringen, aber das ist eben wichtig, damit es nicht länger dauert als nötig. Uns wurden damit zwar Pläne zerstört und mögliche weitere Erfahrungen genommen, aber es ist vermutlich besser so. Ich hoffe nur, dass wir demnächst mehr Klarheit über unsere Situation bekommen.

Bitteschön für ein wenig Zeitvertreib und bleibt zuhause!!!😉 Ich melde mich wenn wir etwas Neues wissen oder (extrem wahrscheinlich) etwas Spannendes in unserer Wohnung passiert…

*virtuelle, virenfreie Umarmung gegen Vereinsamung während des Social Distancings*

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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1 Kommentar

  1. Extrem genervt? Es gibt nur… Durchhalten. Wir hätten dich lieber hier. Aber versuch du für die anderen positiv zu bleiben. Ich denke du bist ein starker Charakter, andere haben vielleicht mehr Probleme

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