Mit dem Rückflug meiner Eltern waren meine Reisen noch lang nicht beendet. Einige Tage später bin ich mit einigen anderen Freiwilligen nach Peru aufgebrochen, wo wir zunächst drei Tage in der ehemaligen Inka-Hauptstadt Cusco verbrachten. Den Einfluss der Inka kann man heute noch sehen, auch wenn die Spanier ziemlich aggressiv versucht haben, alles zu vernichten.

So wunderten wir uns beispielsweise am ersten Tag über eine große Touristengruppe, die Fotos vor einer scheinbar normalen Wand machten. Wie sich herausstellte war die „Wand“ allerdings von den Inka erbaut worden und wegen ihrer beeindruckenden Stabilität von den Spaniern als Fundament ihrer Kirche genutzt worden. Der Fotospot lag vor dem 12-winkligen Stein, der angeblich als letzter in die Mauer, die übrigens komplett ohne Beton/Mörtel oder was auch immer gebaut wurde, eingesetzt worden sein soll.

Die Faszination dieses Steines konnten wir nicht 100%ig nachvollziehen…

So haben wir uns einen Tag die Stadt angeschaut, an einem anderen einen Ausflug nach Maras gemacht, wo wir uns die Circles of Morray und die Salineras de Maras angeschaut haben. Zum einen eine ehemalige Agrar-Forschungsbaute der Inka, zum anderen eine Salabbaustätte, die angeblich auch schon von den Inka angelegt wurde. Das Salz soll durch einen Fluss aus einem unterirdischen Meer herangespült werden und in den Salzbecken aufgefangen. Ganz genau haben wir das System dahinter allerdings nicht durchschaut.

Wir haben auch gelernt, dass Lamas sich mach ihrer Geburt nie mehr waschen.

Der dritte Tag in Cusco bestand dann hauptsächlich aus Aufräumen des AirBnBs, nochmal versuchen Geld abzuheben (von unserer Reisegruppe von 7 Leuten haben die meisten an keinem Automaten etwas bekommen) und McDonald’s. Fun Fact, Megges gibt es nämlich in Bolivien nicht und einige unserer Mitreisenden verspürten beim Anblick des goldenen Ms das dringende Bedürfnis nach dem fettigen Essen. Naja, jedem das seine…

Mittags ging es weiter nach Ollantaytambo (niemand erwartet, dass dieser Ortsname jemals ausgesprochen wird) und direkt nach Ankunft in die hiesige Inka-Ruine. Am nächsten Tag haben wir einen (leider geführten) Ausritt zu weiteren Inka-Überresten in der Nähe gemacht.

Nun stand der große Tag an. Morgens fuhren wir mit dem Zug (!!! wir waren alle seit mindestens 5 Monaten nicht mehr mit einem Zug gefahren und haben uns wie kleine Kinder darüber gefreut) nach Aguas Calientes und sofort weiter mit dem Bus nach Machu Picchu. Direkt nach Eintritt haben wir uns vermutlich bei allen weiteren 11:00 Besuchern unbeliebt gemacht, da wir 7 bestimmt 20 Minuten lang den besten Fotospot belegten. UPPS!

Die Ruine ist auf jeden Fall größer als man sie sich vorstellt, immerhin sieht man ja quasi immer nur Fotos von der selben Stelle, auf denen man gar nicht sehen kann wie viele Plätze, Häuschen usw. Machu Picchu beinhaltet. Trotzdem sieht das Ganze natürlich ziemlich genauso aus, wie man es von den Bildern kennt. Wir waren froh, dass wir nicht alle Ruinen, die wir die Tage vorher schon hätten sehen können gemacht haben, denn dann wären wir sicherlich irgendwann genervt von einem weiteren „Steinhaufen“ gewesen. Daher war unsere Route für uns zumindest optimal und wir konnten dieses Highlight genießen. Nun lagen aber noch endlose Stufen herab vor uns, die Buskosten wollten wir uns sparen. Aber auch der Weg war sehr schön, wenn auch Treppenlaufen bergab ab gefühlter Stufe 6948 sehr anstrengend wird. Danach hatten wir uns aber immerhin ein Eis verdient!

Den Rest des Tages mussten wir in Aguas Calientes verbringen, weil unser Rückzug erst nachts fuhr. Also liefen wir realtiv planlos durch die Gegend und fiehlen in sämtlich Tourishops ein, bis wir völlig k.o. im Zug einschliefen. Am nächsten Morgen ging es zurück nach Cusco, wo wir den Tag hauptsächlich mit essen rumbrachten. Über Nacht dann zurück nach La Paz. 2 mal umsteigen in immer ungemütlicher werdende Busse.

Direkt danach stand unser Zwischenseminar an. Kaum zu glauben, aber die Hälfte dieses Abenteuers ist schon fast rum!

Neben scheinbar endlosen Monologen stand unter anderem ein Ausflug auf dem Programm. Es ging nach Icla, in der Umgebung von Sucre. Zuerst haben wir einen Stopp vor einem Textil-Museum eingelegt. Daraus wurde allerdings nichts, denn die Verantwortlichen hatten leider vergessen, dass wir angekündigt waren und waren ein Dorf weiter eine Hochzeit feiern.

Nächster Programmpunkt war eine Wanderung durch den Canyon von Icla, die für eine Stunde angekündigt wurde. Es ging über einen Inka-Friedhof, völlig unabgesperrt und offen. Die Knochen (ja, man konnte tatsächlich Knochen sehen) durften aber nicht berührt werden, da sie sonst in die Haut eindringen würden und auch operativ nicht mehr entfernt werden können. Unser Guide behauptete allerdings auch, dass die Knochen jeden Abend um 7 Uhr zum Fluss gehen (?) würden, um zu trinken, denn da die Inka sehr viel Quinoa gegessen hätten, bräuchten die Knochen immernoch viel Wasser.

Weiter ging es in den Canyon. Erstmal wurde hinab geklettert, ohne Sicherung natürlich, ging ja nur einige zig Meter in die Tiefe. Dann maschierten wir durch den Canyon und den kleinen Fluss. Zum Schluss konnten wir sogar noch einen Moment Canyoning machen. Dass die Wanderung dann doch etwa 3 Stunden dauerte, ließ sich durch die schöne Landschaft und Erfahrung verzeihen, auch wenn meine Füße (wir waren barfuß unterwegs, damit die Schuhe trocken bleiben) ziemlich wehgetan haben. Die Idee mit den Schuhen war ganz nett, aber beim Canyoning hieß es vom Guide, dass wir nun bitte Schuhe anziehen sollten. Super…

Es war wirklich toll nach all der Zeit die anderen Mal wieder zu sehen und zu hören, wie es ihnen so ergangen ist in den vergangenen Monaten.

Nach dem Seminar habe ich meine letzten freien Tage genutzt, um nach Potosí zu fahren. Spontan entschlos sich meine Mitfreiwillige Kathi mitzukommen. So fuhren wir am Mittag des letzten Seminartages nach Potosí, wo wir am späten Abend angekommen sind und nach einer, typisch bolivianisch süßen Pizza schlafen gegangen sind. Und nein, typisch ist nicht eine Nutella-Pizza oder so etwas in die Richtung… Nein, normal belegte Pizza mit süßer Soße! Gewöhnungsbedürftig.

Unser Programm für den folgenden Tag wurde durch den „Tag des plurinationalen Staates“ etwas eingeschränkt. Also sind wir einfach etwas durch die Stadt gelaufen. Immer wieder konnte man sehen, dass die Stadt mal eine der reichsten Städte der Welt war, denn alle paar Meter stand ein Gebäude das prunkvoller war als das letzte.

Mittags ging es dann unter Tage. Ausgestattet mit Helm, Stirnlampe, Stiefeln und Schutzkleidung wurden wir auf den „Miner’s Market“ gebracht, ob der Helm da schon notwendig war… ich weiß ja nicht. Dort wurden jedenfalls kleine Geschenke für die Minenarbeiter gekauft, die wir ihnen während der Führung immer wieder zusteckten. Auf dem Markt konnte man alles kaufen, was man als Minenarbeiter braucht. Über Spitzhacken, Lampen und Helmen, zu Coca-Blättern, Getränken und 96%igen Alkohol bis Dynamit. Um möglichst viel pures Silber zu finden, glauben die Minenarbeiter, dass sie viel puren Alkohol trinken müssen. Den Alkohol gibt es aber erst nach der Arbeit, hat der Guide zumindest behauptet.

Unter Tage rannten wir dann vor beladenen Minen-Karren weg, krochen und kletterten durch die Minenschächte, sprachen mit Minenarbeitern und bestaunten den „Tío“ der Mine. In jeder Mine gibt es wohl einen „Tío“ (Onkel) in unserem Fall Jorge. Dieser sieht ein wenig aus wie ein kleiner Teufel und ist dafür verantwortlich, ob die Arbeiter Glück oder Pech an ihrem Arbeitstag haben werden, weswegen sie Jorge jeden Tag kleine Geschenke, Zigaretten und Alkohol bringen. „Alle Tíos haben übrigens einen großen Penis, denn sie sind sehr fruchtbar“, erklärte unser Guide uns im gefühlt zweiten Satz seiner Führung. In den Minen in Potosí darf jeder arbeiten, der über 15 Jahre alt ist und etwas Kraft hat. Außer Frauen, die bringen nämlich Pech. Die Arbeiter arbeiten alleine oder in kleinen Gruppen, eine Firma gibt es auf dem Cerro Rico nicht, weshalb der gesamte Mineralienabbau nach wie vor per Hand und ohne Maschienen stattfindet.

Jorge.

Vollgestaubt, aber wirklich begeistert, sahen wir nach knapp 2 Stunden in der Mine wieder Tageslicht. Nach einem groben Abwaschen des Staubs und einem leider sehr schlechten Mittag-/Abendessen stiegen Kathi und ich in getrennte Busse und für mich ging es wieder zurück nach Hause.

Sehr froh über meinen Atemschutz, das hätte alles in meiner Lunge landen können…

In den letzten Wochen ist so unglaublich viel passiert und ich habe so viele, so verschiedene Dinge gesehen, was ich vor diesem Jahr sicher nicht für möglich gehalten hätte. Nach Machu Picchu hat einer der anderen, ich glaube Paula, gesagt, wie unwirklich es ist, dass wir gerade wirklich Machu Picchu gesehen haben. Immerhin hat vermutlich nur ein winzig kleiner Teil der Menschheit diesen Ort schon gesehen, sie lassen nur 2000 Besucher am Tag rein (stimmt doch, Lisa?). Und wir gehören mit 18 bis 20 Jahren zu dieser relativ kleinen Gruppe…

Wirklich, unfassbar!

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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