Was ist denn bei euch los?

Das habe ich die letzten Tage schon einige Male gehört, spätestens nach dem heutigen Tag haben sich die Proteste Boliviens nach der Wahl am 20. Oktober durch die Nachrichtenberge an die Spitze gekämpft und scheinen auch in Deutschland als Höhepunkt der Nachrichtensendungen angekommen.

Seit mittlerweile drei Wochen sitzen wir (mit kleineren Ausnahmen) zuhause und drehen Daumen. Der Grund? Die Präsidentschaftswahlen, die zu viel Unruhe, Zorn und Protesten geführt haben, zu blockierten Straßen und, besonders in La Paz, Silvesterknaller auch im Oktober/November zu großem Nutzen gebracht haben. „Fraude“ schreit es aus allen Ecken, Wahlbetrug.

Wir werden von einem Verantwortlichen über die Geschehnisse informiert und heute haben sich die Neuigkeiten überschlagen. Schon vor ein paar Tagen hatte sich die Polizei auf die Seite des Volkes geschlagen und so gegen den Präsidenten Evo Morales. Viele vermuteten einen Putsch. Heute empfahl der Militärchef Morales den Rücktritt, wenig später traten sämtliche Minister zurück, Morales floh nach Argentinien und verkündete seinen Rücktritt. Außerdem stehen nun die Neuwahlen fest, die viele gefordert hatten. Bis dahin wird das Land vom Militär regiert.

Auf die Ereignisse wurden überall anders reagiert. Freunde aus Santa Cruz, Sucre und umliegenden Dörfern schickten uns Videos von feiernden, teilweise vor Freude weinenden Bolivianern auf der Straße, während wir in La Paz von allen Seiten kleine Explosionen hörten und immer wieder Rufe, Evo solle wieder gewählt werden. Ob die Silvesterknaller hierbei Freude oder Ärger über die Situation äußern sollten, konnten wir nicht ganz zuordnen.

Hier wohl ein etwas größerer Böller zum Ausdruck der Freude/ des Zorns.

Für den morgigen Tag bleibt der Hort in dem ich arbeite geschlossen, zur Sicherheit der Kinder, da gerade in El Alto nicht abgeschätzt werden kann, wie die Reaktion der Bevölkerung ist, da die Stadt überwiegend Morales unterstützt und bereits heute Abend einige Ausschreitungen stattfanden.

Ich hoffe ab Dienstag endlich wieder arbeiten zu können, insofern sich die Bevölkerung beruhigt hat, viele Aktivitäten bietet unsere Wohnung nicht und nach drei Wochen ist alles geputzt, gekocht, gebacken und gesehen, was man sich vorstellen kann.

Schwierig abzuschätzen wie es weiter geht, können wir uns glücklich schätzen, etwas außerhalb zu wohnen, wir kommen sicher bis auf den Markt und bekommen abgesehen von kleinen Demonstrationen und Straßenblockaden nicht viel von den Ausschreitungen im Zentrum mit.

Ich hoffe meine kleine, vielleicht etwas holprige Zusammenfassung der Situation konnte einigen die Sorgen nehmen, für eine politisch einwandfreiere Erklärung sollte allerdings vielleicht doch eine seriösere Nachrichtenplattform befragt werden…

Wichtigste Nachricht: Uns geht es gut, wir hätten nur gern 1-2 Brettspiele mehr.

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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