Zurück zuhause!

Lange nichts gehört? Upps, ja könnte sein… Trotzdem ist einiges passiert, was ich gerne mit euch teilen möchte:

Die letzte Kampagnenwoche in Yacuíba hat mich immer noch nicht wirklich von der Stadt überzeugt… Immerhin gab es allerdings wieder Avocados! In der letzten Schule, die wir besucht haben, hatten wir sehr mit Helikopter-Eltern zu kämpfen, sodass wir diese aus dem Raum in dem wir arbeiteten ausschließen mussten. Ein Highlight der Woche war eine ältere Dame, die leider nicht genug Geld für ihre Lesebrille aufbringen konnte, weswegen ich sie ihr als Spende gegeben habe. Prompt wurde ich von ihr gesegnet und sämtliche Mitarbeiter wurden als Dank mit Bananen ausgestattet. Aus diesem Grund hatte ich Donnerstag Morgen dann quasi frei, da Lisa die Banane leider nicht vertragen hat und ich daher im Hostel kontrollieren musste, ob sie weiterhin atmet. Am Nachmittag war dann der letzte Arbeitsteil für Lentes al Instante auf dieser Kampagne, da wir am nächsten Morgen früh aufbrechen wollten, um in La Paz anzukommen, bevor die Straßen wegen der Wahl gesperrt würden.

Am vergangenen Sonntag waren in Bolivien nämlich Präsidentschaftswahlen, weswegen 24h lang der Verkehr lahmgelegt wird, um zu verhindern, dass Menschen in zwei Wahlbezirken wählen gehen können.

Um 10 Uhr hatten wir Tickets für ein Truffi, eine Stunde später ging es los, da es länger dauerte einen letzten Mitfahrer zu finden. Die 5 stündige Fahrt nach Tarija verbrachte ich größtenteils schlafend oder wieder die Landschaft genießend, die wirklich sehr beeindruckend ist. Etwa eine halbe Stunde vor Ankunft wurde ich allerdings unsanft aus meinem Halbschlaf gerissen, da das Auto abrupt stehen blieb, der Fahrer ausstieg und die Motorhaube öffnete… Auto kaputt? Es sah so aus, da jede Menge Dampf aus der Motorhaube kam und der Fahrer sehr entgeistert hineinblickte. Zwischendurch hielt ein anderes Auto neben uns, entschied dann aber, dass sie auch nicht helfen konnten. Nach etwa 15 Minuten der Ratlosigkeit stieg der Fahrer wieder ein und fuhr mit den Worten,“Wir fahren einfach weiter, mal sehen wie es klappt“, wieder los. Sehr vertrauenserweckend… Etwa alle 5 Minuten blieben wir dann wieder stehen und es wurde großzügig Wasser über den Motor gekippt. Wundermittel vermutlich…

Endlich in Tarija waren wir sehr froh, nicht in die Luft geflogen zu sein und fanden schnell einen Bus nach La Paz, der zwar mit ordentlich Verspätung, aber immerhin sehr günstig und zügig in La Paz war. So waren wir Samstag Mittag endlich wieder zuhause. Da Lisa bisher ja nur eine Nacht in der Stadt verbracht hatte, gingen wir zu dritt (endlich als vollständige WG) auf den Hexenmarkt und in unser Lieblingscafé. Dann haben wir Unmengen an Obst und Gemüse gekauft und endlich unseren eigenen Kühlschrank in Betrieb genommen.

Wahlsonntag: In unserem Viertel glich dieser verkehrsfreie Sonntag sehr dem autofreien Tag zu Beginn unserer Zeit hier. Auf den Straßen war wieder ein riesiger Markt und ich habe mein Zimmer weiter eingerichtet. Wie viel man in Deutschland von der Wahl mitbekommen hat weiß ich nicht.

Am Montag habe ich dann endlich meine Kids wiedergesehen und mich unfassbar gefreut, denn sie hatten mich noch nicht vergessen. Nach scheinbar endlosen Umarmungen ging der Tag weiter, als ob ich nie weg gewesen wäre. Später hörte ich von den anderen Freiwilligen in den größeren Städten, dass sie nicht hätten arbeiten gehen dürfen, da aufgrund der Wahl Proteste angesagt worden waren, die gefährlich werden konnten. Als ich am Dienstag mit den Kindern beim Mittagessen saß, kam aus Sucre sogar die Nachricht, dass sie in der Markthalle eingeschlossen wären, da vor der Tür Schießereien stattfänden. Das kam mir sehr weit weg vor, denn wir alle drei hatten in La Paz überhaupt nichts mitbekommen und dass obwohl wir im Regierungssitz leben…

Mittwoch wurde dann auch uns das Arbeiten mehr oder weniger verboten und auch das Haus sollten wir so wenig wie möglich verlassen, wenn dann nur in unserem Viertel bleiben, um etwas zu essen zu kaufen. Auch am Donnerstag blieb die Ausgangssperre bestehen und Freitag wurde ich morgens auf dem Weg zur Arbeit von unserem Mentor abgefangen, der mir sagte, es sei nicht zu empfehlen nach El Alto zu fahren. Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf, denn auch fürs Wochenende wurden Ausflüge gestrichen und in unserer Wohnung ist mittlerweile die Weihnachtsdeko gebastelt, die Halloween-Wassermelone geschnitzt, die Fenster und der Balkon geputzt, der Jahresurlaub geplant, jegliche Kochideen umgesetzt, Netflix fast leer geschaut und Siedler zu Ende gespielt. Außerdem war ich in einem kleinen Schwimmbad um die Ecke, welches zwar nur eine etwa 15m lange Bahn hat und extrem gechlort ist, aber besser als noch eine Stunde sinnlos herumsitzten…

Ob wir ab morgen wieder arbeiten dürfen, wissen wir noch nicht, angeblich soll es nächste Woche noch einige Proteste geben, mal sehen, wie es weiter geht.

Tatsache ist, dass wir uns nicht wirklich gefährdet fühlen und auch nur sehr wenig von Aufständen, Straßensperrungen und Protesten mitbekommen haben, da wir am Rand der Stadt wohnen und die Auseinandersetzungen wohl eher im Zentrum stattfinden. Also keine Sorge, was auch immer in deutschen Medien berichtet wird, wir sind hier nicht betroffen und bekommen nahezu nichts mit. Uns ist nur sehr langweilig 😉

so sieht es wohl im Zentrum aus

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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