Wie es dazu kommt, dass man beim Zahnarzt eine Ohr-OP bekommt

Die Kampagne läuft nach wie vor ähnlich, die Gebiete in denen wir sind, sind etwas ärmer geworden, die Sätze, die man sagt noch mehr Routine. Die Avocados sind nach wie vor leer und Yacuíba bietet auch immer noch keine Highlights.

Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden übers Wochenende nach Tarija zu fahren, die nächstgrößere Stadt, bekannt für ihren Wein. Daher hieß es am Freitag packen und Zimmer räumen. Zum Glück haben die bolivianischen Lentes-Mitarbeiter uns angeboten die großen Rucksäcke bei ihnen im Zimmer zu lassen, sodass wir nur einen kleinen Rucksack mitnehmen konnten. Über den Markt sind wir zum Busbahnhof und haben uns Tickets gekauft und unser Abendessen am Bahnsteig zu uns genommen. Unglaublich gemütlich…

Zwei Stunden später ließ sich der Bus blicken. Leider keiner von der gemütlichen Sorten. Eher im Gegenteil. Meine Knie kuschelten mal wieder mit dem Vordersitz, zurücklehnen war nicht drin, denn dabei wurde die Sitzfläche mit nach vorne geschoben. Platztechnisch nicht drin. Die Cholita vor mir hatte diesen Platz aber und lag bald halb auf meinem Schoß, indem sie mir ihre Lehne nochmal ordentlich auf die Knie schlug. In dieser Position war der Schlaf weniger erholsam und nicht nur der Mann, der während der Fahrt aus seinem Sitz kippte und mit seinem Kopf mal wieder auf meinem Kopf aufschlug, weckte mich, sondern auch jede Bremsung, Huckel, jedes Husten oder Lachen. Oder die Knie, die dauerhaft in meinen Rücken gedrückt wurden.

Am Busbahnhof in Tarija humpelte ich um 3:47 Uhr aus dem Bus. Mitten in der Nacht. Unsere Entscheidung: Ein wenig Schlaf einholen, während einer auf unsere Sachen aufpasst, da wir morgens um 4 Uhr in der Stadt auch nicht besser aufgehoben waren.

Um 6 Uhr sind wir dann mit einem Taxi in die Innenstadt und haben diese bis 8 Uhr etwas erkundet und dann direkt zu Ladenöffnung mit der Mitarbeiterin in ein Café, wie ausgehungerte Hunde. Nach dieser Stärkung und einem unglaublich leckeren Stück Spinatkuchen haben wir uns ein Hostel gesucht und haben das „Kultur Berlin“ gefunden, das den gleichen Besitzer hat, wie das Hostel, in dem wir unsere Wochen in Sucre verbracht haben.

Hier mal ein bildliches Beispiel für die Anhäufung identischer Läden auf engstem Raum, hier mit Anwälten…

Dort haben wir uns kurz ausgeruht und frisch gemacht und waren dann bereit unser Touristenprogramm zu starten. Tarija allerdings nicht… Beim Casa Dorada waren die Besucherzeiten bereits vorbei, deshalb blieb es beim Blick von außen… Auch schön.

Die Kathedrale bekommt gerade ein neues Dach und war dementsprechend auch nicht zu betreten. Die schönen Plätze der Stadt hatten wir am Morgen schon gesehen, in einer weiteren Kirche fand eine Kommunion statt und das blaue Schloss war sowieso nur durch einen Zaun zu bestaunen, da es ein Privathaus ist.

Also ging es raus aus der Stadt und nach Uriondo, einem kleinen und wunderschönen Weindorf, umgeben von Weinreben und generell einem ziemlichen Rheingau-Feeling. Sämtliche Wände waren hier mit Malereien verziert und alle paar Meter konnte man in einer Bodega den lokalen Wein probieren. Wir sind also im „Casa Vieja“ eingekehrt und haben einen Wein bestellt. Ich mag sowieso keinen Wein, also war ich nicht verwundert, dass auch dieser mir nicht schmeckt, aber auch die anderen drei waren nicht überzeugt… Naja, schön war es trotzdem.

Wieder zurück bin ich zum Piercer, mit dem ich am Morgen einen Termin gemacht hatte, da das Piercing, welches ich mir in Santa Cruz hatte stechen lassen, seit mittlerweile einer Woche unter der Haut verschwunden war und nur noch gewaltsam herausgedrückt werden konnte. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde auf Mauricio, den Piercer, gewartet hatte fragte ich ihn über Whatsapp (so hatte ich auch den Termin bekommen), ob er denn noch kommen würde, was er kurz darauf verneinte… Danke auch. Seine Kollegen waren auch nicht bereit zu helfen, da sie ja nur tätowieren konnten und die Verantwortung nicht übernehmen wollten. Deshalb setzten sie mich und mein verschwindenes Piercing lieber auf die Straße, zu einer Uhrzeit, zu der kein anderer Laden mehr offen hatte und verwiesen mich an einen „erfahrenen Piercer“, bei dem ich allerdings am Morgen schon gewesen war und der aktuell nicht in der Stadt war.

Ziemlich wütend sind wir also Richtung Klinik losgestapft, da das Problem an diesem Wochenende gelöst werden musste, da Yacuíba nur über Schamanen (nicht wirklich, aber die Ärzte sind nicht vertrauenserweckend) und einen Piercer verfügt, der aber eigentlich Friseur ist. Halte ich für eher bedenklich. Unterwegs hielt Lisa uns auf einmal an und zeigte auf einen Zahnarzt. „Die haben auch so kleine Zangen.“ Gute Idee? Klar! Wir also rein da und nachgefragt und der Arzt war tatsächlich bereit mir zu helfen. Nach anfänglichen Problemen beim Öffnen des Piercings (er kannte einfach das Schließsystem von Piercings nicht, was man einem Zahnarzt wohl verzeihen kann), war das Teil schneller aus meinem Ohr draußen als der Piercer in Santa Cruz es rein bekommen hatte. Danach wurde großzügig desinfiziert und eine Ibuprofen-Kur gegen Entzündung verschrieben, als wären solche Ohr Operationen sein tägliches Geschäft. 80 Bolis (etwas mehr als 10€) wollte der gute Mann dafür haben, da er ja auch alles wieder sterilisieren musste. Dankbar gab ich im etwas mehr und wir empfahlen ihm, neben sein Zahnarzt Schild auf noch „Piercer“ zu hängen, da die anderen der Stadt ja nicht sonderlich arbeitswütig waren.

Nach dem Abendessen sind wir dann erschöpft ins Bett gefallen, immerhin, waren wir seit 20h auf den Beinen.

Nach einem leckeren Frühstück im Hostel sind sind dann am nächsten Tag an den See San Jacinto gefahren und haben dort eine kleine Bootstour gemacht und uns ein wenig umgeschaut.

Dann ging es auch schon wieder zum Busbahnhof und jetzt sitzen wir noch etwa 2h im Truffi (eine Art Langstrecken Sammeltaxi) zurück nach Yacuíba. Netterweise lagert der Mann neben mir sein gesamtes Gewicht auf meiner Schulter und scheint keinen einzigen Muskel im Körper zu haben… Wenigstens ist die Aussicht schön:

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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