Wir sind umgezogen!

Es schleicht sich langsam Normalität ein. Am Morgen habe ich eine Routine entwickelt, mit der ich pünktlich um 8 Uhr in meinen Bus steigen kann, sodass ich kurz vor dem Bus, mit dem die Kinder zum Hogar kommen ankomme und beim Aussteigen und in die Kurse bringen helfen kann. Ich weiß mittlerweile was in meinem Kurs wo ist und was am jeweiligen Tag ansteht. Meist male ich dafür zuerst eine Vorlage und pause sie dann mehrfach ab, damit alle Kinder, die während sie auf mich warten meistens puzzlen, eine haben. Dann bekleben, bemalen und verzieren wir sie gemeinsam, manche mit mehr, andere mit weniger Elan. Außerdem versuchen wir die Dinge die wir bebasteln zu benennen, das ist ganz schön schwierig manchmal. Währenddessen kommen die beiden Köche vorbei, um den morgendlichen Snack vorbeizubringen. Bei gutem Wetter gehen wir zum Essen raus und spielen danach etwas, bei schlechtem machen wir eine Snackpause und arbeiten dann an unserem Vorhang. Dafür fädeln die Kinder kleine Strohhalmstücke auf Wolle und ich schneide Herzen aus und klebe sie an die Stränge. Wenn wir damit fertig sind sieht nicht nur der Raum, sondern auch die Kinder aus wie Sau… Gerade der Kleber hat scheinbar eine magische Anziehung an Gesicht und Haare. Daher wird sauber gemacht. Die Kids bekommen alle einen großen Klecks Desinfektionsmittel in die Hände und stapeln die Stühle, während ich Tische und Boden fege.

Der „Sala Alegría“ (Raum der Freude) der Kinder mit Down-Syndrom. Mit unserem Vorhang.

Endlich ist Mittag! Zeit für eine Pause? Schön wär’s… Wir maschieren in einer Schlange in den Essensraum und stellen die Tische und Stühle bereit, denn meistens sind wir die Ersten. Wenn die anderen Kurse eingetrudelt sind, wird das Vater Unser gebetet, was ich mittlerweile auch auf spanisch kann, ohne es extra gelernt zu haben. Oscar, der Leiter, singt anschließend und spielt dazu Gitarre, die Kinder machen im Rahmen ihres Möglichen mit. Es wird geklatscht, gesungen und gelacht. Manchmal dürfen sie Bongo oder Gitarre spielen, aber nur, wenn sie aufgegessen haben.

Ich helfe beim Austeilen des Essens und versuche, dass das meiste davon auch in den Kindern landet. Trotzdem sieht der „Comedor“ nach dem Essen aus als hätte eine Bombe eingeschlagen und das Essen ist überall… Zum Glück macht der Kurs mit den Größeren sauber, ich wüsste gar nicht wo man anfangen sollte…

Dann werden die Kurse vermischt, jeden Tag machen wir etwas anderes. Sprachübungen, Puzzeln, pusten üben, tanzen, … Manchmal aber auch, und das ist das beste, Filme schauen! Zwar dauert es ewig bis die Kinder mal halbwegs still halten, aber dann lassen sie sich doch vom Film fesseln und ich finde die spanischen Kinderfilme auch super, zumal ich so gut spanisch lernen kann und es Decken gibt und man nicht friert. Gegen 16 Uhr gehen dann alle in ihre eigentlichen Kurse zurück, um Jacken und Rucksäcke zu holen und auf den Bus zu warten, der alle nach Hause bringt. Wenn dieser (eigentlich immer verspätet) ankommt, helfe ich noch die Kinder vollständig in den Bus zu setzen und mache mich dann selber auf den Heimweg. Beim Busfahren schaue ich meistens Filme, die Länge der Fahrt ist perfekt geeignet.

Hier wird gerade ausführlich meine Handykamera getestet…

Etwa um 18 Uhr bin ich dann zuhause, vielleicht steige ich ein wenig früher aus, wenn wir noch was vom Markt brauchen oder gehe direkt nach der Arbeit ins Fitnessstudio um die Ecke. Zuhause ziehe ich mich um, wobei meine Klamotten nicht mehr so dreckig werden, da ich einen Kittel bekommen habe. Wenn gutes Wetter war, kann ich mich auf eine warme Dusche freuen, sonst hadere ich sehr lange, ob sie wirklich nötig ist.

Zu Abend essen wir nicht viel, ein Brötchen oder ein Sandwich. Mehr liegt in der Höhe irgendwie schwer im Magen, wenn man schlafen will… Oft geht es dann mit einem Tee in unser Kämmerchen.

Das Kämmerchen… Ja. Wir sind raus!

Donnerstag, der 19.09. und wir konnten endlich in unsere eigentliche Wohung. Zuemlich genau einen Monat nachdem die Wohnung eigentlich fertig sein sollte… Aber naja, es ist schön endlich anzukommen. Ich habe die halbe Nacht damit verbracht mich einzurichten und habe ein wenig gewerkelt, trotzdem fehlt noch einiges.

Meinen Nachttisch habe ich aus dem Karton, in dem mein neuer elektrischer Heizkörper war zusammengeklebt. Mit dem noch rumliegenden Werkzeug und einer übrig gebliebenen PVC Röhre habe ich meinen Schrank mit einer Kleiderstange ausgestattet und den fehlenden Türknauf mit Seil und Klebeband ersetzt. Dann habe ich Bilder aufgehangen, auch wenn mein Zeug noch überall herum lag. Ich hab einfach ein Händchen dafür mit den wichtigen Dingen zu beginnen… Zuletzt habe ich dann noch einen Kissenbezug aus dem Tshirt genäht, das neulich von der Waschmaschine zerrissen wurde.

Viele Sachen musste ich allerdings sowieso nicht einräumen, denn nach einer Nacht im neuen Zimmer bin ich jetzt erstmal 4 Wochen unterwegs.

Warum? Zuerst gönnen wir uns ein Wochenende im wärmeren Cochabamba, von dort aus geht es am Sonntag für mich weiter nach Santa Cruz, wo ich eine Ausbildung zum „Mini-Optiker“ machen werde und im Anschluss 3 Wochen auf einer „Lentes al instante“-Kampagne „One-Dollar-Glasses“ an die Bevölkerung des Südens Boliviens bringen werde.

Die nächsten vier Wochen werden „meine Kids“ also ohne mich auskommen müssen und ich ohne sie. Ein wenig traurig macht mich das schon, wo ich sie doch gerade erst richtig lieb gewonnen habe. Andererseits freue ich mich darauf mehr von Bolivien sehen zu können, mal etwas anderes zu machen und zu lernen und etwas Zeit in der Hitze zu verbringen, über die sich die anderen Freiwilligen regelmäßig beklagen…

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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