Es wird olympisch!

Heute mal ein Thema, dass die Allgemeinheit vielleicht nicht so interessiert, aber ich möchte meine Eindrücke gerne für mich festhalten und glaube auch einige unter meinen „Lesern“ zu haben (oh je, das klingt komisch…), die durchaus Interesse daran haben, wie so ein bolivianisches, olympisches Schwimmbad auf ca. 3800m Höhe so ist.

Erstmal: Nein, es war nicht meine reine Faulheit, dass ich es erst an Tag 25 in ein Schwimmbad geschafft habe… Vielmehr war es die Tatsache, dass die Bäder in Sucre mich nicht haben wollten. Mal war Baustelle, mal nur 2 Stunden die Woche geöffnet, aber meistens war mein Problem, dass das „Schwimmbad“, welches meist Teil einer Sauna ist, etwa 10m lang ist und somit eher den Titel „zu große Badewanne“ als Schwimmbad verdient hat. Als es dann nach La Paz ging, wollte ich meinem Körper erstmal einen Moment Zeit geben mit der Höhe klarzukommen und wollte zudem nicht direkt in der ersten Arbeitswoche nach einem halben freien Tag fragen.

Ein halber freier Tag, richtig gehört. Das Schwimmbad ist nur bis 18 Uhr geöffnet, ich arbeite normalerweise bis 16.45 Uhr und brauche etwa eine Stunde von der Arbeit direkt zum „Olympic Pool“. Vielleicht fällt ja einigen das Problem auf… Man muss aber sagen, dass die Teleferico Fahrt wunderschön ist, erst über die Dächer von El Alto, dann entlang der Kante zwischen den Städten und schließlich auf den Stadtkern zu. Bis man kurz vor der Endstadtion stockt… Man kann das Schwimmbad von weitem erkennen, so groß ist es. Aber je näher die Gondel der Station kommt desto weniger sieht man davon, bis es schließlich vollständig verschwunden ist und man sich vor einer wahrscheinlich 150m hohen Wand wiederfindet, die es zu bezwingen gilt. Bei Google Maps sieht das ungefähr so aus:

Vielleicht kann man mittig die Treppen erkennen. Nach ein wenig bergauf laufen wird einem mit einer Treppe geholfen. Nach den 240 Stufen allerdings war ich bereits so fertig, dass hauptsächlich der Gedanke, wie unnötig diese Strapaze gerade gewesen wäre, würde ich jetzt nicht ins Schwimmbad gehen, mich zu einer weiteren Sporteinheit bringen konnte.

Gesagt, getan. Zum Glück waren es jetzt nur noch einige Meter zum Eingang, wo ich für 20 Bolivianos (!!!) mein Ticket für eine Stunde kaufen konnte. Wirklich teuer im Vergleich zu allem anderen hier… Zudem musste ich sowohl Namen, als auch Passnummer dafür preisgeben.

Danach musste ich völlig bekleidet, aber meiner Schuhe beraubt durch die Schwimmhalle laufen, denn die Umkleidekabinen liegen logischerweise auf der gegenüberliegenden Seite des Eingangs. Schnell hatte ich mich umgezogen und abgeduscht, stellte fest, dass es keine Spinde gab und begab mich also durch ein unfassbar kaltes Treppenhaus zurück in die Schwimmhalle.

Ich hatte das Gefühl sämtliche Blicke lagen auf mir, wobei ich doch durch die vorgeschriebene Badekappe wenigstens nicht durch die blonden Haare auffiehl und ich auf Rat einer Vorfreiwilligen extra einen Badeanzug mit langen Beinen trug. Trotzdem wurde ich beobachtet und als ich nach kurzem Nachfragen die Bahn für „Nadadores libres“ (freie Schwimmer) gefunden hatte, wurde ich von den anderen Schwimmern vorgelassen.

Endlich im Becken stellte ich fest, dass das Wasser sehr trüb war und ich gab mir größte Mühe nichts davon Teil meines Mageninhalts werden zu lassen, hatte ich doch keine Lust die nächsten Tage noch damit zu kämpfen. Ich schwamm mich ein, wie es im Training in Deutschland auch häufig der Fall ist, doch als ich danach fertig war, fühlte ich mich, als müsste das Training jetzt bald vorbei sein. Nach einer kurzen Pause machte ich aber weiter und bin erschöpft und zufrieden nach einer knappen Stunde und 2000m später aus dem Becken, da ich nicht wusste wie ernst die bezahlte Stunde war. Zwar hatte mir niemand eine Uhrzeit gesagt und ich hatte auch nicht gesehen, dass eine aufgeschrieben wurde, aber diese Leute hatten meine Passnummer!

Also schlussendlich noch einmal mit dicker Jacke durch die Halle gestapft und am Ausgang auch meine Schuhe wiederbekommen. Meine Flip Flops hatte ich beim morgendlichen Packen vergessen, aber wider meiner Erwartungen ist mir auch kein wandelnder Fußpilz begegnet.

Es war schön mal wieder im Wasser zu sein, auch wenn ich es auf Grund der weiten Strecke nicht sooft schaffen werde wie zuhause. Das Schwimmbad ist aber auf jeden Fall toll, es gibt eine riesige Tribüne, ein großes 50m Becken und ein kleineres 25m Becken, welches auch gleichzeitig das Springerbecken ist, zu dem es 5 Sprungtürme bis 10m Höhe gibt. Es gibt ein umfangreiches Kursangebot für alle Altersklassen und vom Anschein her auch ordentliches Material für diese. Es ist nicht klinisch rein, aber welches Schwimmbad kann das schon von sich behaupten. Wer mal ein deutsches Schwimmbad während eines Wettkampfes gesehen hat, kann sich über dieses Exemplar definitiv nicht beschweren.

Wie oft ich es tatsächlich schaffe kann ich noch nicht sagen, aber auf jeden Fall tut es meiner Ausdauer und meinem Kopf gut. Außerdem entspannt mein Rücken überraschender Weise mal, nachdem er vom holprigen Minibus fahren die letzten Tage etwas eingeschnappt war… Sonst beschwert er sich immer vom Schwimmen. Vielleicht lernt er gerade einfach, dass es viel schlimmere Dinge gibt.

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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