PA-PA-YA!

Meine erste Woche im Hogar ist rum und was soll ich sagen… Es war anstrengend und fordernd, aufregend und goldig, nervig, eklig, herzergreifend, lustig, faszinierend und und und…

Was meine Aufgabe kann ich nicht klar definieren, jeder macht einfach das, was gerade anfällt, auch wenn ich mich bisher vor allem, was mit angepinkelten Klamotten zutun hat, fernhalten konnte😅. Jedenfalls helfe ich hauptsächlich in der Gruppe der Kinder mit Down Syndrom, da diese sonst nur eine Professora hat. Diese Woche stand unter dem Motto Früchte, soll heißen, dass wir jeden morgen eine neue Frucht mit verschiedenen Materialien (Knete, Zeitung, Wolle, Krepppapier, Farbe, …) gebastelt haben und währenddessen deren Aussprache geübt haben. Am Montag war das der Apfel, gefolgt von der Banane und der Mandarine. Als Gris (die Professora) mich am Donnerstag dann bat Papayas für die Kinder vorzumalen, habe ich mich kurz gewundert. Exotische Früchte direkt nach Apfel und Banane? Schnell wurde mir aber klar, die Papaya ist hier ganz und gar nicht exotisch… Außerdem sehr gut auszusprechen. Ungefähr 23.630.478 Mal hörte und sagte ich an diesem Tag: „PA-PA-YA! Sí, muy bien, PA-PA-YA.“ Weiter ging es mit der Wassermelone und der Ananas. In deutscher Reihenfolge wäre es vermutlich die Birne, die Pflaume und die Traube gewesen…

Ich gebe zu, ich habe eventuell etwas geholfen…

Ich verbringe also meinen Tag damit, zu malen, zu kleben, mich anmalen zu lassen, zu puzzlen, klar zu sprechen und die Kinder davon abzuhalten sich oder andere irgendwie zu verletzen, Essen zu werfen oder sonstige Dinge zu tun, auf die Kinder nunmal so kommen und für tolle Ideen halten.

Meine wichtigsten Vokabeln hierbei: „Nein.“ „Gib‘ mir das!“ „Setz dich hin.“ „Man schlägt nicht.“ „Nicht werfen.“ „Du hast eine Aufgabe.“ „Mach weiter.“ „Schau, so.“ „Komm wieder rein!“ „Nicht essen!“ „Au, das tut weh.“ „Bring das zurück.“ „Nein, in den Müll.“

Man merkt… Der Wortschatz ist stark von Befehlen befallen. Daher wird oft noch ein „mi amor“ oder „hijo“ angehangen. Ich bin mir aber sicher, dass die Profes die Kinder tatsächlich lieben und nicht nur ihre Befehle weniger böse klingen lassen wollen. Auch ich bin auf einem guten Weg dorthin, bei manchen Kindern mehr, bei anderen muss ich noch meine Abneigung gegenüber sämtlicher Körperflüssigkeiten überwinden.

Die Mitarbeiter sind auch alle sehr nett, haben mich toll aufgenommen und interessieren sich sehr für das Leben in Deutschland. Ich bekomme alle Freiheiten gelassen, was Teil der Philosophie des Hogars ist. Es gibt keine genauen Zeiten, wann man da zu sein hat oder gehen darf, keine vorgeschriebene Anzahl an Urlaubstagen (bei mir eher die Aufforderung mir alles anzusehen, was ich sehen möchte) und keine Verurteilung, wenn man etwas falsch macht oder der Leiter des Hogars einen zwei Stunden mit in sein Büro nimmt, um einem die Geschichte seines Lebens, des Hogars und Boliviens erzählt, obwohl man vorher gesagt hatte, dass man eine der Gruppen nach dem Mittagessen übernehmen kann…

Auch wenn ich jeden Tag sehr lange unterwegs bin und abends immer sehr erschöpft bin, bin ich gerne dort und versuche zu helfen, wo ich kann, was sehr kleine Dinge sein können. Ich habe zum Beispiel meinen Spitzer mitgebracht und habe dafür eine Dankbarkeit erfahren, als hätte ich den Hogar fürs nächste Jahr finanziert.

Zwar muss ich mich an einiges noch gewöhnen, bin mir aber sicher, dass das bald passieren wird und ich viel Spaß haben werde und einiges lernen kann.


https://www.facebook.com/fundaciondanielita/

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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