Endlich zuhause?

Gute News zuerst: Es ist niemand mehr im Krankenhaus.

An unserem letzten Abend in Sucre sind wir nochmal als Reisegruppe Lama essen gewesen. Auf Dauer war das Hostelessen doch recht eintönig. Ein unregelmäßiger Wechsel zwischen Reis und Nudeln. Daher: Ein Burger😍 Abends waren wir dann noch in einer Bar, um den Tag ordentlich abzuschließen.

Am nächsten Morgen wollten wir, nach dem Koffer packen, noch zu „Los siete Cascadas“, Wasserfälle in der Nähe von Sucre. Das fiel dann allerdings flach, da wir unerwartet am Nachmittag unsere Visa zurückbekommen sollten. Daher haben wir uns unseren Mittag mit Medikamente holen im Krankenhaus (nach der Entlassung), Tschüss sagen bei unserer Touri-Shop-Freundin (zum Abschied gab es ihre Handynummer, mit der Bitte sie immer anzurufen, wenn wir Hilfe brauchen) und Açai-Bowl essen verbracht. Dann ging es den 3. Tag in Folge aufs Amt der Immigration. Geschlagene 2,5h später konnten wir dann, mittlerweile gestresst gegen 18:30 Uhr die Behörde mit Visum verlassen und zurück zum Hostel hetzen, da um 19:00 Uhr unser Taxi zum Busbahnhof fahren sollte. (Dass wir uns nicht sicher waren, ob es überhaupt kommt, lassen wir jetzt mal außen vor) Immerhin habe ich während der Wartezeit vor Ort mein erstes Alpaca gesehen!

Im Hostel wurde dann schnell alles zusammen gerafft, ein letztes bisschen Strom in die Handys gezwungen und dann war das Taxi auch schon da. Hilfsbereite Mitfreiwillige haben uns tatkräftig unterstützt alle Gepäckstücke nach unten zu tragen und vom Taxifahrer in das Auto quetschen zu lassen… Wie das gepasst hat weiß ich nach wie vor nicht. Immerhin waren wir sehr pünktlich am Busbahnhof und haben den Bus sehr schnell gefunden. Nur das System nicht wirklich verstanden.

Wenn man also öffentlich, und nicht wie beim letzten Mal im sicheren Umfeld von ausschließlich anderen Freiwilligen, Bus fährt, dann muss man die Koffer etc. in den 2. Stock bringen, von wo sie dann über eine steile Rampe wieder nach unten gelassen werden. Direkt neben den Bus. Wo wir standen. Mit unserem Gepäck. Dafür hatten wir allerdings Steuern bezahlen müssen, da man wohl davon ausging, dass wir am Bussteig verkaufen wollten, da anderes Gepäck ja nach oben gehörte… Mit eiserner Überzeugungskraft konnte meine Mitbewohnerin Lisa den Mann, der die Koffer von oben nach unten warf, davon überzeugen, dass wir zu viel Gepäck hatten und zu schwach waren um alles hoch zu bringen, sodass er schließlich zu unserem Gepäck nach unten kam um es von dort in den Bus zu werfen. Zudem wäre das Seil, welches zum herablassen der anderen Koffer genutzt wurde bei unseren Schwergewichten zu 100% gerissen. In diesem Fall wäre der Mann ebenfalls (nur eben dieses Mal unfreiwillig) nach unten gekommen. Über die Rampe…

Als wir dann im Bus saßen, der wieder diese bequemen Sitze hatte (übrigens nicht ironisch, die Sitze sind ein Traum und man kann beinahe waagerecht liegen), liefen erst noch zahlreiche Verkäufer und „Künstler“ durch den Bus, die gerne unser Geld haben wollten. 37 Minuten nach geplanter Abfahrt und 6 Gute Nacht Lieder später setzte sich der Bus dann langsam in Bewegung, um dann nach 1000fachem Rangieren (wer kann schon ahnen, dass an Busbahnhöfen Busse fahren) gegen das nächste Auto zu fahren, das in Weg stand… Zur Verteidigung des Busfahrers, das Auto war schwarz und es war dunkel.

Die Tat vertuschend ging es aber sofort weiter, auch wenn uns persönlich die an die 100 Polizisten, die sich wenige Meter vom Bus in Reihe gestellt hatten und irgendwelche Eide schwuren, etwas Sorge bereiteten. Mit regelmäßig auf das Busdach schlagenden Stromkabeln bewegten wir uns dann mal langsam mal definitiv zu schnell aus Sucre heraus. Während ich mich aufs Schlafen einstellte, wollten einige Personen hinter uns gern lautstark den Film sehen, den der Bildschirm des Busses zeigte. Naja, Kopfhörer, Schlafmaske, Schlafsack und fertig. Ich habe tatsächlich ziemlich gut geschlafen. Auch wenn ich sicher war etwas währenddessen geklaut zu bekommen. Aber alles safe, weit unter den Sitz geschoben.

La Paz begrüßt uns mit einem Sonnenaufgang und beinahe unerträglicher Kälte. Und ich bin eigentlich keine Frostbeule, aber ich liebe meinen Schlafsack fürs warmhalten. Um kurz nach acht rollen wir mit etwas Verspätung in La Paz auf den Busbahnhof ein. Bald haben wir alle unsere Gepäckstücke wieder und unsere Gastmutter gefunden. Beim Koffer tragen merke ich das erste Mal die Höhe, aber es ist auszuhalten. Ein Marathon muss trotzdem erstmal nicht sein. Bald sehen wir unser Gasthaus!

Gasthaus, ja… Da beginnt der weniger coole Teil der Geschichte… Wir werden also ins Haus gelassen, sehen die Küche, die wirklich in Ordnung ist, sogar den Gasherd beherrschen wir schon. Tee könnte hier ein Lebenselexier werden. Eine Treppe hoch kommen wir in einen Flur. Unsere Gastmutter zeigt auf eine Tür und sagt „hier wohnt ihr“. Hinter einer Glasscheibe tut sich ein (wir schätzen nicht ganz 15qm großes) Zimmer auf, mit einem sehr instabilen Hochbett und einem Einzelbett. Das Bad hingegen ist im Vergleich recht groß und wir haben nicht nur die Möglichkeit gleichzeitig zu duschen sondern auch gemeinsam auf Toilette zu gehen. Praktisch, denn abschließen können wir nicht. Händewaschen erfolgt dann aber nacheinander.

Der 8 Jährige Sohn der Familie zeigt uns sofort eifrig seine Spielzeuge und macht uns Frühstück, es gibt Tee und Wasserkekse… Wir beginnen unsere Sachen auszupacken, nacheinander, für mehr als einen Koffer bietet der Boden keinen Platz. Der Schrank ist zwar da, bietet aber außer 3 Fächern keinen Platz, da die Ablagebretter fehlen.

Die Dusche war dennoch zufriedenstellend. Wir haben auch gewaschen, uns allerdings dagegen entschieden die Wäsche am Stromkabel aufzuhängen, wie unsere Gastfamilie es offenbar macht.

Ziemlich enttäuscht und frierend haben wir uns dann zu dritt in mein Bett gekuschelt und Filme geschaut, da wir beim Versuch einkaufen zu gehen feststellen mussten, dass das Hoftor abgeschlossen war.

Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte dann Victor auf, unser Mentor und Gastvater. Schnell klärte sich auf, dass unser kleiner Pferch nur eine Übergangslösung ist, da die Wohnung im Obergeschoss noch renoviert wird und wirklich schön aussieht. Wir haben also mindestens ein Schlafzimmer mit Bad und ein Wohnzimmer und einen großen Balkon mit super Aussicht, eventuell sogar ein zweites Schlafzimmer.

Auch unsere Freiheitsberaubung war schnell aufgeklärt. Seine Schwester wusste nicht, dass wir heute ankommen und hat die Tür abgeschlossen, um den Fluchttendenzen der dementen Eltern entgegen zu setzen… Victor hat uns also das gesamte Haus gezeigt und erklärt, wie sie sich das Zusammenleben vorstellen. Ich denke, dass das gut klappen wird und wir sehr offen miteinander sein können. Für morgen nimmt er uns direkt mit auf eine seiner Touren nach Tiwanaku, eine Art Willkommensgeschenk, da der Empfang so chaotisch war.

In Bolivien ist alles möglich, aber nichts ist sicher.

-Don Viktor

Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen und sind jetzt erstmal heilfroh, dass sich alles aufgeklärt hat und wir uns nicht, wie bereits überlegt eine neue Wohnung suchen müssen, die wir selbst hätten bezahlen müssen.

Veröffentlicht von lalenalapaz

Hi ich bin Lena, 18 Jahre und aktuell in Bolivien, wo ich ein FSJ in einem Kinderhort in La Paz mache. Außerdem versuche ich mir so viel wie möglich anzuschauen. Follow me around!!!

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